Kurzantwort
Die Schweiz hat vier Amtssprachen: Schweizerdeutsch (63%, in Zürich, Bern, Luzern, Basel), Französisch (23%, Genf, Lausanne, Vevey, Neuchâtel), Italienisch (8%, Kanton Tessin: Lugano, Bellinzona, Locarno) und Rätoromanisch (0,5%, Graubünden — einzige Amtssprache ohne Mutterland, 5 verschiedene Dialekte). Für Deutsche und Österreicher: Schweizerdeutsch ist Mundart-Familie, sehr anders als Hochdeutsch — selbst Deutsche verstehen oft wenig. Aber alle Schweizer schreiben und sprechen Hochdeutsch fliessend, wenn sie wollen. Sprachgrenze Deutsch-Französisch heisst „Röstigraben“. 26 Kantone, 4 dreisprachige (Graubünden), 3 zweisprachige (Bern, Freiburg, Wallis). Für DACH-Touristen: Hochdeutsch funktioniert überall in DE-Schweiz, Englisch in Tourismus universal. ICE Frankfurt-Zürich 4h direkt.

Die vier Amtssprachen
- Schweizerdeutsch (Schwyzerdütsch): 63%. Mundart-Familie sehr verschieden vom Hochdeutsch — selbst Deutsche und Österreicher haben Schwierigkeiten. Alle Schweizerdeutschen lernen aber Hochdeutsch in der Schule (Diglossie).
- Französisch (in der Romandie): 23%. Standardfranzösisch mit eigenem Vokabular: septante (70), huitante/octante (80), nonante (90) — anders als Frankreich-Französisch.
- Italienisch (Tessin und italienische Bündner): 8%. Standarditalienisch mit deutschen Lehnwörtern (consegna=Konsigne, autopostale=Postauto).
- Rätoromanisch (Graubünden): 0,5% — 60.000 Sprecher. Romanische Sprache aus dem Latein römischer Soldaten in Rätien, durch alpine Isolation erhalten. Fünf Idiome: Sursilvan, Sutsilvan, Surmiran, Puter, Vallader. Rumantsch Grischun moderner Standard.
Schweizerdeutsch verstehen
Für Deutsche und Österreicher überraschend: Schweizerdeutsch ist nicht eine Sprache, sondern Familie von Dialekten. Zürichdeutsch unterscheidet sich von Berndeutsch, Baseldeutsch oder Walliserdeutsch. Selbst Schweizer aus verschiedenen Kantonen müssen sich konzentrieren, einander zu verstehen. Diglossie: schriftlich Hochdeutsch, mündlich Mundart. Hochdeutsch wird „Schriftdeutsch“ oder „Hochdüütsch“ genannt — Schweizer fühlen sich darin nicht zu Hause, sprechen es aber fliessend wenn nötig. Walliserdeutsch (Walliserdiitsch) aus dem oberen Wallis ist am schwersten zu verstehen — gilt als „Tibetisch der Alpen“. Tipp für DACH-Touristen: nicht versuchen, Schweizerdeutsch zu sprechen — gilt als künstlich. Hochdeutsch sprechen, alle verstehen.
Der „Röstigraben“: Sprachgrenze
Der „Röstigraben“ ist die kulturelle Grenze zwischen deutsch- und französischsprachiger Schweiz. Rösti (geriebene Bratkartoffeln) ist Spezialität der Deutschschweiz — in der Romandie weniger verbreitet. Über die Sprache hinaus: Deutschschweiz wählt konservativer, EU-skeptischer; Romandie sozialdemokratischer, EU-freundlicher. Verschiedene Zeitungen (Tages-Anzeiger vs. Le Temps), TV (SRF vs. RTS), Konfessionen (mehrheitlich reformiert vs. katholisch). Freiburg/Fribourg und Biel/Bienne sind echt zweisprachige Städte. Tessin liegt jenseits des Röstigrabens — eigenes Universum mit „Polentagraben“ Witz.
Rätoromanisch: europäische Rarität
- 5 Idiome: Sursilvan (meistgesprochen), Sutsilvan, Surmiran, Puter, Vallader.
- Ursprung: Vulgärlatein römischer Soldaten in Rätien (1. Jh. n. Chr.), durch alpine Isolation bewahrt.
- Ohne Mutterland: anders als Katalanisch, Baskisch, Sardisch — Rätoromanisch ist die einzige offizielle romanische Sprache ohne Nationalstaat.
- Bundesgesetzlich geschützt: Bundesverfassung Art. 4 und 70.
- Besuchen: Engadin-Region (St. Moritz, Scuol). Universität Graubünden bietet Kurse.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Amtssprachen hat die Schweiz?
Vier: Schweizerdeutsch (63%), Französisch (23%), Italienisch (8%) und Rätoromanisch (0,5%). Englisch ist Geschäftssprache aber NICHT Amtssprache. Bundesverfassung Art. 4.
Was ist der Röstigraben?
Die ‚Rösti-Grenze‘ ist die kulturelle Trennung zwischen deutsch- und französischsprachiger Schweiz. Rösti (geriebene Bratkartoffeln) ist Deutschschweiz-Spezialität. Markiert auch politische und konfessionelle Unterschiede.
Verstehen Deutsche Schweizerdeutsch?
Nur teilweise. Schweizerdeutsch ist Mundart-Familie sehr verschieden vom Hochdeutsch. Selbst Deutsche verstehen oft wenig. Alle Schweizerdeutschen sprechen aber fliessend Hochdeutsch — also als DACH-Tourist Hochdeutsch sprechen.
Was ist Rätoromanisch?
Romanische Sprache aus dem Latein römischer Soldaten in Rätien, gesprochen von 60.000 Personen in Graubünden. Einzige offizielle romanische Sprache ohne Mutterland. Fünf Idiome: Sursilvan, Sutsilvan, Surmiran, Puter, Vallader.
Welche Schweizer Städte sind zweisprachig?
Freiburg/Fribourg (deutsch/französisch), Biel/Bienne (deutsch/französisch), Brig/Brigue (deutsch/französisch). Graubünden ist dreisprachig (Deutsch, Italienisch, Rätoromanisch).
Was sollten DACH-Touristen sprechen?
Hochdeutsch in der ganzen Deutschschweiz — funktioniert überall. Englisch in Tourismus universal. Für die Romandie etwas Französisch hilft, aber Englisch reicht. Im Tessin: Italienisch oder Englisch.
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